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Engelwirken

von Doris Habekost-Gehrke

Wenn du deine Seele entrümpelst, dich von lang gehegtem Groll und Kummer und von all den verkrusteten und schmerzlichen Erfahrungen löst, dich in Gottvertrauen an die lichtvollen Helfer wendest, dann passiert auch immer äußerlich etwas mit dir: Die Wunder, die du schon immer sehen und spüren wolltest.
Nein, nein es ist nicht das Abschneiden oder Färben der Haare. Auch meine ich nicht ein neues Outfit. Deine Ausstrahlung ist es. Der Glanz, der plötzlich in deinen Augen zu sehen ist. Du spürst Gelassenheit, Freundlichkeit, Frieden und Liebe in dir.
Du hast gründlich geputzt, und die Welt in dir hat sich verändert. Die Welt um dich herum hat sich verändert. Jetzt weißt du genau, wie wichtig es ist aufzuräu-men, sich von alten Dingen zu trennen.
So ergeht es mir jedenfalls. Und ich weiß genau, dass ich nie allein mit meinen Auf-räumarbeiten bin. Um mich herum sind Engel, die ich anrufen kann.
Wie viele Jahre nun schon räume ich diese Schuhe, diesen Hut hierhin und wie-der dorthin.
„Aber da ist wirklich nichts dran. Ich kann sie nicht wegwerfen.“
Diese vielen Kartons und Schachteln, die ich mir angeschafft habe, um alles or-dentlich aufzubewahren. Ich räume sie von einer Ecke in die andere.
Dann kommt ein Karton in den Keller, und der nächste, und dann der nächste. Ich räume vom Keller auf den Boden.
Zur Adventszeit, wenn ich die Weihnachtssachen vom Boden hole, habe ich schon mal einen Karton ausgemistet und in einen neuen gepackt. Aber so richtig viel hat es nicht gebracht.
Ich bete, meditiere und bitte die Engel um Hilfe, mir bei meinem Ausmisten zur Seite zu stehen.
Nun geht es los. Zuerst der Keller. Ja, klar habe ich alles noch mal durchgesehen und bei mir gedacht:
Irgendwann wirst du dieses oder jenes gebrauchen können. Aber egal, entrüm-peln musst du auch dein Haus!
Dann der Boden. Ich hole mir jeden Karton einzeln runter und sehe alles durch. Ich gebe zu, zwei Kartons sind wieder oben gelandet. Ich habe nicht das Herz, mein Melittageschirr aus Kindertagen fortzuwerfen, von meinem Sohn die erste Spukwin-del und die ersten Schühchen und... Naja, jedenfalls zwei Kartons, die mir bleiben.
Ich überlege noch, ob ich mit meinem Krimskram auf den Flohmarkt gehen soll. Aber der Herbst ist keine gute Zeit.
Ich könnte bis zum Frühjahr warten, doch dann müsste ich die Sachen wieder auf den Boden bringen. So stehe ich vor meinen alten Schätzen und überlege hin und her. Schließlich entscheide ich mich für eine Tasse Kaffee und blättere die Zeitung durch.
„Ja, genau das ist es. Kostet keinen Cent, und ein anderer Mensch wird seine Freude haben und vielleicht noch etwas Geld dafür bekommen. Eine Annonce:
Verschenke 15 Flohmarkt–Kartons.
„Das ist eine super tolle Lösung. Danke, ihr lichtvollen Helfer.“

Per Telefon hatte ich mich mit einer jungen Frau verabredet. Engel by EDDA Fröhlich Ein paar Tage später klingelt sie, mit einem Baby auf dem Arm, an meiner Tür.
„Oh wie fein, Sie wollen die Flohmarkt-Sachen abholen?“, begrüße ich Sie.
„Ja.“
„So ein süßer Fratz. Wie heißt er denn?“
„Mirco“
„Na, Mirco, da wirst du bestimmt Spaß haben, denn da
sind viele lustige Stofftiere und Spielsachen für dich
dabei.“ Er gluckst vor Freude und schenkt mir ein Lächeln.
„Und ich glaube, Sie werden einige Kleidungsstücke
für den Kleinen finden. Aber sagen Sie, sind Sie allein?“
„Nein, mein Freund sitzt im Auto.“
„Na, Gott sei Dank. Denn das sind 15 Kartons.“
„Ja, ich weiß. Ich hole ihn.“
„Guten Tag. Na dann, kommen Sie mal mit. Ich werde
Ihnen helfen.“ Gemeinsam schaffen wir die Sachen in den
VW-Bus. Die junge Fami-lie fährt zufrieden davon.
Nun sind da noch mein Hochzeitshut, die Brautschuhe und diese hübsch scheußliche Vase von meiner Schwiegermutter. Das ist lange her und geschieden bin ich seit über 20 Jahren. Seltsam, dass man manche Dinge nicht hergeben möchte. Ob es nicht doch jemanden gibt, der noch Freude an diesen alten Sachen hat?
Ein paar Wochen später nehme ich meinen Hochzeitshut, die Brautschuhe und die Vase. Ich sehe sie mir lange an. Vor mir erscheinen noch einmal die Bilder mei-ner Hochzeit.
Ich fahre damit zum Altkleidercontainer.
Dort steht ein blauer Opel Corsa. Das Auto startet gerade. Ich steige aus und nehme mit einem Abschiedslächeln die Sachen aus meinem Auto. Der blaue Corsa fährt an, bleibt stehen, eine Frau steigt aus und strahlt mich an.
„Sagen Sie, diesen tollen Hut, also ich meine, wenn Sie den sowieso wegschmei-ßen, dann..“
„Aber klar, wenn ich ihnen eine Freude damit machen kann.“
„Oh ja, gewiss. Und die Schuhe?“
„Die sind nur einmal getragen. Welche Schuhgröße haben sie?“
„38.“
„Na, dann“, sage ich und reiche ihr freudig die Schuhe. „Und diese Vase, möchten Sie die auch?“
„Ja, gern.“
Jetzt sah Sie etwas verlegen aus.

Aber ich bin glücklich. Wer weiß schon, wozu sie die Brautsachen nutzt. Vielleicht heiratet sie ja. Ich winke Ihr zu und wünsche viel Spaß damit. Mein Herz hüpft vor Freude. Ich brauche meine lang aufbewahrten Erinnerungsstücke nicht anonym wegzugeben und nicht auf den Müll zu bringen. Danke mein Freund, du da oben. Danke ihr Engel.

Und weil das so wunderbar geklappt hat, nehme ich das nun endlich leer gewordene Rattan–Regal, auch noch aus meiner ersten Ehe, und stelle es am Abend ein-fach auf die Straße. Ich bete zu den Engeln. „Bitte schickt jemanden, der es brauchen kann.“

Am nächsten Morgen ist es verschwunden

 


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Seele im Bagno

von Doris Habekost-Gehrke

Gelehrter
Im Stuhl der Selbstverständlichkeit
Kennend
Schaust durch Nebelgräser
In meine Seele

Wissend
Scheinen mir
Deine Fragen

Gelehrter
Im Stuhl der Selbstverständlichkeit
Wie ein Spott
Trifft mich die Frage
Nach dem Warum

Qualvoll ersticken
Meine Worte
In mir

Gelehrter
Im Stuhl der Selbstverständlichkeit
Erkennst Ängste
In Erdentagen
Am Lebensnerv

Seh´im Wasserspiegel
Durch Dunkelheit
Mein Muttermal

Gelehrter
Im Stuhl der Selbstverständlichkeit
Am Wegbeginn
Noch mutig
Tot getrampelt

Unvereinbar
Schwerkraft
Und Schattenwelt

Gelehrter
Im Stuhl der Selbstverständlichkeit
Lianen
Verheddern
Im schnellen Schwung

Klare Aussagen
Im Farbengemisch
angegraut

Gelehrter
Im Stuhl der Selbstverständlichkeit
Steh am Abgrund
Dreh mich Kreis
Du weißt

Zeigst Wege auf
Und doch allein
Bleib´ ich in der Biegung stecken

Gelehrter
Im Stuhl der Selbstverständlichkeit
Durch Rauschen
Nur verzerrt
Kann ich verstehen

Ein weiter Weg
Doch ein Wunder
Wäre mir lieber

Gelehrter
Im Stuhl der Selbstverständlichkeit
Feuer speiend verschließen
Sich die Wunden
Vernarben

Gelehrtes Herz
Sprengt
Das Bagno


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